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Voruntersuchung gegen zwei Bergführer wegen fahrlässiger Tötung PDF Print E-mail

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Written by News Editor   
Saturday, 06 October 2007
Gegen zwei Bergführer ist eine Voruntersuchung wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet worden. Die beiden Angehörigen des Armee-Kompetenzzentrums Gebirgsdienst hatten eine Tour zur Jungfrau geleitet, bei der am 12. Juli sechs Rekruten tödlich verunfallten. Lz. Bern, 4. Oktober Das tragische Bergunglück an der Jungfrau vom 12. Juli, bei dem sechs Soldaten einer Gebirgsspezialisten-Rekrutenschule ums Leben gekommen waren, ist auf einen Lawinenniedergang zurückzuführen, wie die zeitgerecht abgeschlossene vorläufige Beweisaufnahme ergeben hat. Über deren Ergebnisse hat am Donnerstag die Militärjustiz orientiert. Wie Hauptmann Christoph Huber, Untersuchungsrichter des Militärgerichts 6, darlegte, bilden Einvernahmen und Befragungen von Zeugen und Auskunftspersonen sowie ein Gutachten des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos die Grundlagen für diese Beurteilung. Erhebliche Lawinengefahr Aufgrund der dabei gewonnenen Erkenntnisse hat Huber sich für die Einleitung einer Voruntersuchung – eines Strafverfahrens – gegen zwei Bergführer des Kompetenzzentrums Gebirgsdienst der Armee entschieden und den Antrag für amtliche Verteidiger bereits gestellt. Aus seiner Sicht können weder eine Einstellung des Verfahrens noch eine disziplinarische Erledigung in Frage kommen. Huber unterstrich aber, dass gegenüber den beiden über dreissig Jahre alten Bergführern die Unschuldsvermutung gelte. Der Kreis möglicher weiterer Tatverdächtiger sei augenblicklich offen. Er könne sich vorstellen, dass die Untersuchungen auch auf andere Personen ausgedehnt würden. Denn der Unfallhergang sei relativ komplex, meinte Huber. Im Zentrum der Presseorientierung standen dann aber die Ausführungen von Jakob Rhyner, Standortleiter des SLF in Davos. Wie der Experte, der für diese Orientierung kurzfristig vom Amtsgeheimnis entbunden worden war, ausführte, war die erste Julihälfte durch zwei Niederschlagsperioden gekennzeichnet, die bei tiefen Temperaturen einen Neuschneezuwachs von rund 60 Zentimetern brachten. Nach einer Phase sonnig-warmen Wetters herrschten im Unglücksgebiet gute Witterungsverhältnisse; die Temperaturen waren wieder auf tiefe Werte abgesunken. Die Lawinensituation beurteilte Rhyner als schwierig. Lawinenniedergänge seien auch im Sommer nach Schneefällen nicht aussergewöhnlich. Bereits am Unfalltag hatte eine SLF-Equipe, die auf ihrem Flug ins Berner Oberland andere Lawinen beobachten konnte, eine Begehung vornehmen können. Die Lawinengefahr wurde als erheblich (Gefahrenstufe 3 der europäischen Lawinengefahrenskala) eingestuft. So hatte eine Rekruten-Seilschaft schon am 11. Juli beim Aufstieg zum Mönch ein Schneebrett ausgelöst. Rhyner gab aber zu verstehen, dass trotz dieser generellen Gefahrenbeurteilung die Verhältnisse stets an Ort und Stelle zu analysieren seien, da sie durchaus auch weniger schwierig als prognostiziert sein könnten. «Extremhang» In diesem Zusammenhang legte Hauptmann Huber Wert auf die Feststellung, dass der Entscheid, am 12. Juli zwei Gruppen Richtung Jungfrau marschieren und eine Gruppe den Mönch in Angriff nehmen zu lassen, bereits frühzeitig getroffen worden sei. Wie Rhyner weiter erläuterte, handelt es sich beim Unfallhang oberhalb des Rottalsattels um eine Flanke mit einer Neigung von 40 bis 45 Grad; aufgrund ihrer Steilheit und Ausgesetztheit müsse sie als «Extremhang» bezeichnet werden. Die Lawine selbst war rund 80 Meter breit. Die während der Abklärungen entdeckten Schollen lassen darauf schliessen, dass stellenweise 30 bis 40 Zentimeter mächtiger, vom Wind gepresster Triebschnee lagerte. Da tiefe Temperaturen herrschten, hatte die Sonneneinstrahlung um 10 Uhr kaum Einfluss auf die Auslösung der Lawine. Jakob Rhyner kam deshalb zum Schluss, dass die Soldaten beim Direktaufstieg die Lawine «höchstwahrscheinlich» selbst ausgelöst hatten. Eine andere Erklärung – etwa ein «Spontanabgang» der Lawine – würde den Tatsachen widersprechen, meinte Rhyner. Die beiden oberen Seilschaften seien in Richtung Rottal abgestürzt. Die nachfolgenden Soldaten kamen am Rande der Lawine am Hangfuss wieder zum Stillstand. Die Ausrüstung der Truppe beurteilte Rhyner als «genügend». Im Sommer sei es nicht üblich, eine Lawinennotfallausrüstung mitzunehmen. In diesem Falle hätte sie ja ohnehin nichts genützt, sagte er. Wie Christoph Huber abschliessend erklärte, geht es nun darum, unter anderem abzuklären, ob die Tour unter den damaligen Wetterbedingungen auch wirklich verantwortet werden konnte oder ob nicht eine Umkehr am Platze gewesen wäre. Im Weiteren müsse der Stand der Vorbereitungen untersucht werden. Und schliesslich sei auch eine Antwort auf die Frage zu geben, ob die Lawinengefahr für die Truppe erkennbar gewesen sei. Über die Entscheidungsprozesse, die nicht mit jenen in klar hierarchisch aufgebauten Truppenverbänden verglichen werden kann, wollte sich Huber nicht auslassen, da man sonst Gefahr liefe, wie er meinte, die Grenze zur Schuldzuweisung rasch zu überschreiten.
 



 

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