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(K)eine Abrechnung mit Schröder PDF Print E-mail



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Written by News Editor   
Thursday, 04 October 2007
Joschka Fischer will nicht missverstanden werden. Nein, als Abrechnung mit Gerhard Schröder dürfe sein Buch nicht gelesen werden. Vielmehr sei der Rückblick auf "Die rot-grünen Jahre" eine Kombination aus Ereignisbericht und Analyse. Doch Fischer macht keinen Hehl aus der Tatsache, dass die Beziehung zwischen dem damaligen Kanzler und seinem Außenminister keineswegs eine Männerfreundschaft war. Schröder habe die Grünen anfangs "lediglich auf die Rolle des Mehrheitsbeschaffers zu reduzieren versucht", schreibt er. Fischer, der nach seinem Abtritt als Außenminister 2005 und seinem Rückzug aus dem Bundestag 2006 ein Jahr an der amerikanischen Elite-Universität Princeton gelehrt hat, genießt die Aufmerksamkeit in der Heimat für seine Bilanz der deutschen Außenpolitik vom Kosovo bis zum 11. September. Gut gelaunt gibt er bei der Buchvorstellung in Berlin Einblicke in sein Seelenleben. "Eine Rückkehr in die deutsche Politik wird es bei mir nicht geben", sagt der Grünen-Politiker. Auch im Falle eines rot-grünen Wahlsieges 2005 hätte er "maximal noch ein Jahr weitergemacht". Als politischer Mensch werde er aber weiterhin Entwicklungen kommentieren. Schließlich sei er nicht in den Trappisten-Orden eingetreten und habe kein Schweigegelübde abgelegt. Die Kritik an aktuellen Entwicklungen in seiner eigenen Partei - etwa in der Afghanistanpolitik - fiel allerdings milde aus. Schwerer rechter Aufwärtshaken Weniger milde geht er im Buch mit Schröder um. Fischer beschreibt ausführlich eine Begegnung bei einem Streitgespräch im Februar 1997, die die Beziehung zwischen Kanzler und Vizekanzler nach der Wahl ein Jahr später prägen wird. "Er saß, in der einen Hand ein Glas Weißwein, in der anderen eine dicke Havanna, in seinem Sessel und legte nach der ersten Frage auch sofort los, und zwar mit einem schweren rechten Aufwärtshaken, der mich völlig überraschte." Schröder hatte damals klargestellt, wie für ihn im Falle eines Wahlsieges 1998 eine rot-grüne Konstellation aussehen muss. "Der Größere ist Koch, der Kleinere ist Kellner. Dies nicht zu akzeptieren ist eine typische Form grüner Überheblichkeit." Damit habe er ein Bild gesetzt für die Beziehung zwischen den Koalitionspartnern, das nicht mehr wegzubekommen gewesen sei, beklagt Fischer. Das klebe nach zehn Jahren noch. Bei der Buchvorstellung fügt er witzelnd hinzu, erst bei der Quadriga-Verleihung am Tag der deutschen Einheit am Mittwoch habe ihm Schröder gestanden, dass er gar nicht kochen könne. Persönlich und emotional habe ihm damals Oskar Lafontaine "sehr viel näher" gestanden als Schröder, schreibt Fischer. So etwas wie Freundschaft über die Politik hinaus habe es mit Schröder nicht gegeben. Auch über den späteren sang- und klanglosen Rückzug Lafontaines zeigt sich Fischer "zutiefst enttäuscht". Dass er mit Schröder bisweilen aneinander geriet, verheimlicht der ehemalige Vizekanzler nicht. Eine Koalitionsstreit über ein Panzergeschäft mit der Türkei beschreibt er so: "Es dauerte nicht sehr lange, da explodierte Gerhard Schröder und attackierte frontal und laut ein Mitglied der grünen Verhandlungsdelegation. Mir reichte es. In früheren Fällen hatte ich zumindest versucht, die Situation abzukühlen und vermittelnd einzugreifen, aber so konnte Gerhard Schröder nun weiß Gott nicht mit uns umspringen. Und so keilte ich aggressiv zurück." Dabei hätten die Koalitionäre erschrocken einen "Blick in den Abgrund" des vorzeitigen Endes ihres Bündnisses geworfen. Alles selbst geschrieben Abgesehen von der Koch-Kellner-Metapher habe Schröder bei dem Streitgespräch vor der Wahl auch inhaltlich einen negativen Eindruck hinterlassen - mit seiner demonstrativen Antihaltung in Umweltfragen, seiner Wirtschaftsorientierung, aber auch in seinen Vorstellungen von Europa, heißt es im Buch. "Euroskeptizismus war dafür noch eine milde Charakterisierung." Als Schwachstellen der Koalition nennt Fischer bei der Präsentation neben der Zuständigkeit für die Europapolitik auch die China- und Russlandpolitik des Kanzlers. Davon soll überwiegend erst im zweiten Band der Erinnerungen die Rede sein, den Fischer in der nächsten Woche zu schreiben beginnen will. Erschlagen sei er von der Materialfülle gewesen, die ihn zu der Aufteilung seiner Erinnerungen in zwei Bände gezwungen habe, sagt der ehemalige Außenminister und heimliche Grünen-Vorsitzende. Ein Jahr lang habe er allein am ersten Band geschrieben - und zwar "vom ersten bis zum letzten Anschlag" selbst.
 

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