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Und es gab doch eine Lawine an der Jungfrau PDF Print E-mail



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Written by News Editor   
Sunday, 29 July 2007
Die Armee wollte den Eindruck erwecken, die sechs Soldaten seien wegen eines Fehltrittes zu Tode gestürzt. Jetzt stellt der Untersuchungsrichter klar: Dabei spielte eine Lawine mit. Von Philipp Mäder, Bern

Also doch: Beim Absturz von sechs Soldaten vor zwei Wochen war eine Lawine mit beteiligt. «Zum fraglichen Zeitpunkt haben sich die Armeeangehörigen im Unfallhang befunden. Dann ist oberhalb des ersten Mannes ein Schneebrett abgegangen», sagte Christoph Huber, der für den Fall zuständige Untersuchungsrichter der Armee, gestern vor den Medien. In der Folge stürzten zwei 3er-Seilschaften bei ihrem Aufstieg zur Jungfrau rund tausend Meter in die Tiefe und waren sofort tot. Acht weitere Armeeangehörige, darunter zwei Bergführer, konnten die Retter unverletzt bergen.

Ob die Lawine die direkte Ursache für den Absturz war, wollte Huber allerdings nach wie vor nicht bestätigen. Dennoch deutet alles darauf hin. «Die Lawine ist gekommen, und die Soldaten sind dann abgestürzt. Ob da vorher oder nachher noch ein Fehltritt war, kann ich derzeit nicht beurteilen», sagte Huber. Dies bilde aber Gegenstand der laufenden Untersuchung. Besonders wichtig sei dabei das angeforderte Gutachten des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung Davos.

 

Laut Huber ist auch möglich, dass eine Kombination aus Lawine und Fehltritt zum Absturz führte - etwa weil jemand vor der nahenden Lawine zurückwich und dabei den Vordermann mitriss: «Die Soldaten sind am kurzen Seil gegangen, mit maximal drei Meter Abstand. Wenn da einer Zug aufs Seil gibt, kann der Vordermann stürzen.» Von den Überlebenden hätten einige gesagt, dass sie spürten, wie sich der Schnee zwischen ihren Füssen bewegte. Trotzdem hätten sie nicht den Tritt verloren.

Militärjustiz lehnte Auftritt ab

Klar ist damit eins: Die Version, welche der Sprecher der Militärjustiz vor einer guten Woche ins Spiel brachte und welche dann vor allem die Armeeführung im Anschluss an die Abdankungsfeier propagierte, ist haltlos. Demnach hätte ein Fehltritt eines Soldaten zum Unglück geführt - und nicht eine Lawine. An ihrer damaligen Pressekonferenz präsentierte Divisionär Fred Heer zudem einen der Überlebenden, den Soldaten Alain Perusset. Dieser sagte aus, keine Lawine gesehen zu haben.

Es sei möglich, dass der Betreffende das Schneebrett nicht gespürt habe, sagte Untersuchungsrichter Huber gestern zu dieser Äusserung. Deshalb sei dies im Rahmen der Untersuchung nicht als Falschaussage, sondern als subjektive Wahrnehmung zu werten. Dass die Armee an ihrer Orientierung ausgerechnet auf diesen Augenzeugen setzte, wollte Huber nicht kommentieren. Dies sei ohne Rücksprache mit der Militärjustiz geschehen.

Trotzdem wird klar, dass Huber das Vorgehen der Armeeführung ablehnt: «Wir haben gesagt, dass wir diese Pressekonferenz auf Grund der laufenden Untersuchungen eher ungünstig finden. Wir können aber keine Verbote aussprechen», meinte Huber gestern.

Armeeführung weist Kritik zurück

Bei der Armeeführung weist man den Vorwurf, zum falschen Zeitpunkt und tendenziös informiert zu haben, zurück. «Wir wussten nicht im Voraus, dass Alain Perusset an der Pressekonferenz aussagen wird, keine Lawine gesehen zu haben», sagt Daniel Reist von der Kommunikation Heer. Man sei sich aber mit der Militärjustiz einig gewesen, wegen des laufenden Verfahrens keinen der beteiligten Bergführer vor die Medien treten zu lassen.

Die Armeeführung sei zudem frei, selber zu informieren, wenn sie es für richtig erachte. «Die Militärjustiz war auch nicht sehr stark dagegen, dass wir diese Orientierung machen», sagt Reist. Es sei klar, dass die Armeeführung und die Militärjustiz nicht die gleichen Interessen hätten. «Nach dem Absturz des Swissair-Flugzeugs in Halifax hat Sprecherin Beatrice Tschanz ebenfalls Unternehmenskommunikation betrieben», meint Reist. «So haben auch wir Kommunikation im Interesse der Armee gemacht.» Er fügt jedoch hinzu, genau wie die Militärjustiz sei natürlich auch die Armeeführung an einer raschen und lückenlosen Aufklärung des Unfalles interessiert.

Unabhängigkeit der Militärjustiz

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Armeeführung und Militärjustiz werten beide als Zeichen der gegenseitigen Unabhängigkeit. «Wenn wir eigenständig informieren, zeigt das die klare Trennung», sagt Reist. Auch Militärjustiz-Sprecher Martin Immenhauser wies den Vorwurf mangelnder Unabhängigkeit zurück: «Ein Miliz-Untersuchungsrichter hat kein Interesse daran, die Armee in Schutz zu nehmen.»

 

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