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Taliban wollen Abzug der Bundeswehr erpressen PDF Print E-mail



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Written by News Editor   
Friday, 20 July 2007

Die radikal-islamischen Taliban behaupten, zwei Deutsche als Geiseln zu haben - und erheben klare Forderungen. Doch das Auswärtige Amt bezweifelt die Angaben. Erst gestern hatte die Miliz die Verschleppung dementiert.

Kabul - Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan und die Freilassung aller in Afghanistan einsitzenden Kämpfer: Das ist die Forderung der radikal-islamischen Taliban - im Gegenzug will die Miliz die beiden entführten Deutschen freilassen. So jedenfalls verkündete es ein Sprecher der Miliz in Afghanistan.

Die Extremisten bekannten sich heute erstmals zur Verschleppung der Deutschen - und einer Gruppe von 18 Südkoreanern in Afghanistan. Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi sagte, die Deutschen seien bei guter Gesundheit. Sie werden seit Mittwoch in der südwestlich von Kabul gelegenen Provinz Wardak vermisst. Zur Verschleppung der Südkoreaner sagte er, gegenwärtig gehe es der Gruppe gut. Forderungen würden später angekündigt. Laut einer Meldung der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap soll es sich bei den Entführten, die in einem Bus unterwegs waren, um eine Gruppe junger Christen handeln.

 

Das Auswärtige Amt (AA) äußerte sich zurückhaltend auf die Nachrichten aus Afghanistan. "Wir haben die Äußerung eines sogenannten Sprechers der Taliban zur Kenntnis genommen. Im Raum steht eine gegenteilige Mitteilung eines Taliban-Sprechers von gestern. Er hat darauf hingewiesen, dass die entführten Deutschen nicht in der Hand der Taliban seien. Hier besteht ein Widerspruch", sagte ein Sprecher heute.

Gestern hatte ein anderer Sprecher der Taliban dementiert, die Deutschen seien in der Hand der Kämpfer von Mullah Omar. Einzig der Gouverneur der an Wardak angrenzenden Provinz Ghasni, Miradschuddin Pattan, deutete eine Beteiligung der Gottes-Krieger an. Die Vermissten befänden sich in der Gewalt einer Taliban-Gruppierung, die unter dem Kommando von Mohammed Nisam stehe, sagte er unter Berufung auf "nachrichtendienstliche Erkenntnisse". Demnach habe sich der genannte Kommandeur den Taliban angeschlossen. Bisher sei es aber noch nicht gelungen, Kontakt zu den Entführern herzustellen.

Bislang gibt es kaum Details zu den Hintergründen der Entführung der zwei Deutschen. Die beiden Ingenieure arbeiteten an einem Dammprojekt, sie sollen für ein in Kabul ansässiges deutsch-afghanisches Unternehmen tätig sein. Auf dem Weg zu ihrem Projekt wurden sie am Mittwochnachmittag in der Provinz Wardak entführt. Im vergangenen Jahr kam es in der Provinz jedoch immer häufiger zu Attacken auf Konvois und Helfer. Die Sicherheitswarnstufe wurde erhöht. Durch Wardak führt die zentrale Straße aus Kabul nach Kandahar im Süden.

Das Statement der Taliban konnte am Freitagmorgen nicht unabhängig überprüft werden. Wie immer meldete sich der Vertreter der Gruppe von einem unbekannten Ort per Satellitentelefon bei Reportern der Nachrichtenagenturen in Afghanistan. Der zitierte Sprecher der radikalen Miliz hat in den vergangenen Monaten immer wieder Aktionen der Taliban verkündet. Meist wurden seine Informationen später bestätigt. Manchmal aber brüstete er sich auch mit Taten, die nicht von den Taliban verübt wurden. Bislang war auf den von den Taliban benutzten Internetseiten jedenfalls noch keines der sogenannten Communiques zu lesen, mit denen sie fast jeden Tag ihre Aktionen zusammenfassen.

Die Mitteilung der Taliban macht die Bemühungen um eine Freilassung in jedem Fall schwieriger. Gestern noch war aus dem Krisenstab des AA die Hoffnung zu hören, dass die beiden deutschen Ingenieure eher von lokalen Milizen oder Bewaffneten entführt worden sein könnten, die statt politische eher finanzielle Forderungen oder Wünsche nach Sachleistungen wie Wiederaufbauhilfe äußern würden. In einem solchen Fall wäre eine Vermittlung über lokale Autoritäten einfacher gewesen als eine Verhandlung mit den Taliban.

In den vergangenen Monaten haben die Taliban aus ihrer Sicht erfolgreich mit westlichen Regierungen bei Entführungen gepokert. Im Fall eines italienischen Reporters erreichten sie sogar, dass fünf prominente Kämpfer der Miliz aus der Haft in Kabul entlassen worden waren. Im Fall von französischen Entwicklungshelfern rangen sie der Regierung in Paris angeblich Versprechungen für millionenschwere Hilfe und Gerüchten in Kabul zufolge sogar politische Zusagen ab. Sowohl die deutsche als auch die US-Regierung hatten das Nachgeben in diesen Fällen scharf kritisiert - nun aber steht Berlin in einer ähnlich schwierigen Situation.

Die Forderungen der Taliban decken sich mit der Anfangsphase von anderen Entführungen. Stets verlangten Sprecher auch damals den Abzug der ausländischen Truppen und die Freilassung der Tausenden Taliban-Kämpfer, die in Afghanistan und anderswo auf der Welt in Haft sitzen. Später relativierten sich die Wünsche meist auf einzelne Gefangene. Dass eine Nation tatsächlich ihre Armee aus Afghanistan abzieht, wird wohl auch bei den Taliban niemand wirklich erwarten. Die Bundesregierung hat in ähnlichen Fällen stets betont, dass sie sich grundsätzlich nicht erpressen lasse und auf keine Forderung von Geiselnehmern eingehen werde.

mgb/hen/AP/AFP

 

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