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Militärjustiz untersucht Jungfrau-Drama PDF Print E-mail



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Written by News Editor   
Friday, 13 July 2007

Einen Tag nach dem Lawinen-Drama mit sechs toten Soldaten haben die Behörden die Unfallstelle an der Jungfrau wieder freigegeben. Die Militärjustiz hatte zunächst keinen Verdacht auf ein Fehlverhalten der Armee-Verantwortlichen. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte laut Experten erhöhte Lawinengefahr.

Bei den sechs Todesopfern handelt es sich um fünf Soldaten und einen Wachtmeister im Alter zwischen 20 und 23 Jahren. Vier von ihnen stammten aus dem Wallis, je einer aus den Kantonen Freiburg und Waadt, wie das Departement VBS bekannt gab.

Die beiden Bergführer, die die Ausbildung der Gebirgsrekruten im schwierigen Gelände geleitet hatten, sind nicht unter den Opfern. Es handelt sich um einen zivilen Bergführer, der von der Armee in Andermatt permanent angestellt ist, sowie um einen Berufssoldaten mit zivilem Bergführer-Brevet, wie der Sprecher der Militärjustiz, Martin Immenhauser, sagte.

Bergführer verhört

Die beiden Bergführer waren zusammen mit weiteren sechs Soldaten der Gebirgsspezialisten-RS am Donnerstagmorgen in der Nähe der Unglücksstelle und mussten tatenlos zusehen, wie ihre sechs Kameraden oberhalb des Rottal-Sattels von einem Schneebrett in die Tiefe gerissen wurden.

Die Bergführer wurden vom militärischen Untersuchungsrichter bereits einvernommen. Ein Verdacht auf ein Fehlverhalten bestehe im Moment aber nicht, sagte Immenhauser.

Beim Verfahren der Militärjustiz geht es um eine vorläufige Beweisaufnahme gegen unbekannt, wie sie nach Militärunglücken üblich ist. Je nach Verlauf der Beweisaufnahme kommt ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung in Betracht, erklärte Immenhauser.

Leichen werden obduziert

Immenhauser rechnet mit mehrmonatigen Ermittlungen. Ein Resultat sei nicht vor Oktober zu erwarten. Die Untersuchung wird in enger Zusammenarbeit mit der Berner Kantonspolizei und der Militärpolizei sowie unter Beizug von Experten des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos geführt.

Die Leichen der sechs Soldaten werden zurzeit im Institut für Rechtsmedizin an der Universität Bern obduziert. Die Autopsie sei ein solchen Fällen vorgeschrieben und erfolge nicht wegen eines bestimmten Verdachts, sagte Immenhauser.

Erhöhte Lawinengefahr

Nach Auskunft von Thomas Stucki vom Davoser Lawineninstitut ist nach wie vor nicht klar, ob das Schneebrett oberhalb des Rottal-Sattels von den Opfern ausgelöst wurde oder ob die Schneemassen von selber abbrachen.

Der Lawinenexperte sprach von der Kombination einer Schneebrettlawine mit einem Absturz. Sicher habe zur Unglückszeit in der Region eine erhöhte Lawinengefahr bestanden, wie dies im Hochgebirge nach Schneefällen auch im Sommer immer wieder vorkomme.

Das Davoser Institut erlässt eigentliche Lawinenwarnungen in Form von Bulletins im Sommer aber nur, wenn es zu ergiebigen Schneefällen bis in den Bereich der Waldgrenze kommt.

Kopfschütteln bei erfahrenem Bergführer

Der Vizepräsident des Schweizer Bergführerverbandes, Urs Wellauer, übte Kritik an der Planung und Durchführung der Tour auf die Jungfrau. Er frage sich, was die Gruppe um 10.00 Uhr im Aufstieg zum Rottal-Sattel gemacht habe, wenn sie um 05.00 Uhr zur Tour aufgebrochen sei, sagte Wellauer in einem Interview der «Berner Zeitung».

Grundsätzlich sollte man zu dieser Zeit wieder im Abstieg sein. Der erfahrene Bergführer erinnerte auch an die alte Weisheit, dass der erste schöne Tag nach Neuschneefällen der gefährlichste sei. Eine Beurteilung der Lawinengefahr sei aber vom Tal aus nicht möglich. Die Situation müsse vielmehr während einer Tour laufend neu beurteilt werden, erklärte Wellauer.

«Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich an dieser Stelle mehrmals umgekehrt bin», sagte Wellauer. Zum Teil habe es an diesem Hang zu wenig Schnee und blankes Eis gehabt; in anderen Fällen habe er Angst vor Lawinen gehabt. Die Tour gilt gemäss dem Bergführer als mittelschwierig und wird im Sommer häufig begangen.

 

(ap/sda/kons)

 

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